Die innere Mitte (Smartphone Krimis)

Nur noch heute. Seufzend ließ ich meine Augen bis zum Meer wandern und sog die klare Salzluft ein. Eigentlich könnte alles so perfekt sein. Niemals hätte ich zu hoffen gewagt, in diesem Hotel noch ein Zimmer zu bekommen. Es wurde meistens von  großen Firmen gebucht und nur durch einen Glücksfall waren diesmal zwei Zimmer leer geblieben. Eines davon bewohnte ich nun seit einer knappen Woche: ein heller Raum mit Blick auf die Strandpromenade; außerdem gab es ein ausgezeichnetes Frühstücksbuffet und – als Highlight – den Wellnessbereich unter dem Dach. Ich liebte die aromatischen Aufgüsse, die Tasse Kräutertee zwischendurch, den Gang über die Dachterrasse und die Entspannung auf einer der  bequemen Liegen im Ruheraum.

Ich hatte kurz vor dem Zusammenbruch gestanden und diese Auszeit so herbeigesehnt. Und mir blieb immer noch die zweite Woche meines Kurses „Überwinde die Grenzen – Finde deine innere Mitte“ und der Aufenthalt in diesem herrlichen Hotel.

Die Einzige, die meine Freude trübte, war die Dame aus meinem Nebenzimmer, Elisabeth von Strilow. Sie war am selben Tag angereist wie ich und bevorzugte zur Entspannung ebenfalls abends den Wellnessbereich. Unglücklicherweise verbrachte sie genau die Zeiten dort, die auch ich mir nach den Seminarstunden ausgesucht hatte.

Am ersten Tag unserer Bekanntschaft freute ich mich noch über ihre Anwesenheit, bis ich bemerkte, wie anstrengend ein ständiges Wörterrauschen von der Seite sein konnte. Nach einer kurzen gegenseitigen Vorstellung entschied sie, dass ich die passende Adresse für all ihre Probleme sei, angefangen bei der Verdauung bis zu ihrem flüchtigen Ehemann. Zwei Stunden später konnte ich Letzteren überaus gut verstehen, suchte ich doch selbst schon krampfhaft nach einem Grund zu verschwinden. Aber es sollte nicht sein. Sie folgte mir überall hin, sogar vom Vorraum der Toilette aus gab sie noch ihre Kommentare zur Situation der Legehennen in Deutschland ab, während ich auf der Klobrille sitzend nach einem Ausweg suchte…..