Dumm gelaufen (Heute hier, morgen Mord)

„Dumm gelaufen,“ dachte ich lächelnd, als ich mir morgens meine schmerzenden Waden massierte, „und das sowohl im bildlichen als auch im praktischen Sinn.“

Der gestrige Wettkampf im Walken  hatte von Anfang an unter einem schlechten Stern gestanden. Unseren Campingverein, in diesem Jahr erstmals Ausrichter dieses Events, traf daran keine Schuld, es handelte sich schlicht um höhere Gewalt: Der Himmel regenverhangen, der Boden glitschig, die Teilnehmer aus den verschiedenen Camping-Vereinen NRWs völlig frustriert. Alle, außer Heike. Dafür bewunderte ich sie. Heike aus Köln, die in Topform angereist war, und euphorisch betonte,  dass bei ihr immer als erstes die Füße im Ziel anlangten und nicht der Kopf wie bei gewissen anderen, die ihren Körper auf dem letzten Kilometer bereits im 90Grad-Winkel abknickten, um überhaupt noch anzukommen. Die Vorstellung, wie sie waagerecht in der Luft mit den unteren Extremitäten voraus durch´s Ziel segelte, entbehrte nicht einer gewissen Komik, aber wir anderen konnten uns ausmalen, was sie meinte. Als Einzige von uns 25  hatte sie das ganze Jahr trainiert und würde locker die 7km Walken schaffen, während wir übrigen nach bereits 2 km mit schweren Armen hinterher ruderten.

Sie war ein zierliches Persönchen, in pinkfarbenem Sportoutfit, passenden Schuhen und Haarband, kein Gramm Fett zuviel und mit einem strähnchenverzierten dunkelblondem Haarschopf; außerdem fand ich sie sympathisch, wie sie in ihrer typisch kölschen Art jeden ansprach und ihre Kommentare abgab. Dann diese optimistische Ausstrahlung, positiv bis in die Zehenspitzen. Das Ganze in Kombination mit ihrem perfekten Aussehen, das war nicht zu überbieten. In ihrer Gegenwart fühlte ich mich zwar wie ein wandelndes Bierfass – obwohl Größe 42 noch nicht als Übergröße gilt – aber das tat meiner Bewunderung für sie keinen Abbruch.

Als wir uns schließlich alle am Start versammelt hatten, fing es natürlich wieder an zu regnen. Für diesen Fall besaß ich ein großes graues Fahrradcape, das ich mir schnell über den Kopf streifte. Die Blicke, die ich erntete, schwankten zwischen mitleidig und ungläubig. „Das ist doch wohl nicht dein Ernst?“ Tadelnd schaute mich Heike an, der euphorische Ton war verschwunden. „Du siehst ja aus wie eine Riesenfledermaus, so wie der Wind gerade dein Cape aufbauscht. Hast du schon mal daran gedacht, dass du deine Mitstreiter durch dein Geflatter behinderst?“ Mir war nicht ganz klar, ob sie das Geräusch oder das Volumen meines Umhangs meinte, der sich jetzt im Wind aufblähte, als handele es sich bei der Veranstaltung um einen Heißluftballonstart. Ich hatte den Ernst des Ganzen wohl unterschätzt…..